Warum erkranken Menschen an ME/CFS? – Teil 2
Häufig beginnt ME/CFS nach einer Infektionskrankheit. Die Symptome setzen meist schlagartig ein. Die überwiegenden Ursachen sind Viren, auch Retroviren, bakterielle Infektionen. Als mögliche Auslöser gelten insbesondere Erreger wie Chlamydien oder Borrelien, aber auch Mykosen (Pilzerkrankungen). Als Folge einer Viruserkrankung, wie beispielsweise durch das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), erholt sich ein Teil der Erkrankten auch nach sechs Monaten nicht mehr von dieser Infektion. Auch nach der SARS-Pandemie 2002/2003 verzeichnete ein Teil der Erkrankten ME/CFS. Und Corona? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von Post-COVID nach drei Monaten anhaltender Symptomatik. Studien zufolge erfüllen bis zu 50 Prozent der Betroffenen mit Long-Covid nach sechs Monaten die Kriterien für ME/CFS.
Die Mechanismen der Erkrankung sind noch ungeklärt. Mehrere neuere Forschungen stufen ME/CFS als eine neuroimmunologische Regulationsstörung ein.
Die genauen Mechanismen der Erkrankung sind bisher noch ungeklärt. Mehrere neuere Forschungen stufen ME/CFS als eine neuroimmunologische Regulationsstörung ein; das Zusammenspiel zwischen Immunsystem und autonomem Nervensystem sowie dem Hormonsystem gerät aus der Balance. Dadurch kommt es zu einer dauerhaften Aktivierung bzw. Dysregulation des Immunsystems, was zu krankhaften Erschöpfungszuständen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Störungen der Temperaturregulierung etc. führt. Ein validierter Biomarker fehlt bislang, sodass die Diagnose ME/CFS anhand etablierter klinischer Kriterienkataloge gestellt wird.
Es ist nicht bekannt, dass ME/CFS von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Gelegentlich tritt ME/CFS auch epidemieartig auf. Hier geht man davon aus, dass in diesen Fällen zwar das auslösende Virus ansteckend ist, das davon ausgelöste ME/CFS hingegen nicht. Ob Betroffene im Anschluss an diese Virusinfektion ME/CFS entwickeln oder nicht, ist vermutlich eine Frage der individuellen Disposition. Studien zeigen genetische Auffälligkeiten, die die Manifestation eines ME/CFS wahrscheinlicher machen. ME/CFS ist ein multifaktorielles Krankheitsbild, zu genetischen Ursachen kommen vermutlich noch einige andere Faktoren.
Bislang keine zugelassene kurative Behandlung.
Bislang gibt es keine zugelassene kurative (auf Heilung ausgerichtete) Behandlung. Von Verbänden und Betroffenen wird kritisiert, dass (z.B. im Vergleich zur Multiple Sklerose mit etwa gleich vielen Erkrankten) wenig Geld in die Forschung investiert wird; das Krankheitsbild ist auch in der Öffentlichkeit noch recht unbekannt. Die Betroffenen leiden mangels auf diesem Gebiet erfahrener Ärzte unter einer unzureichenden und oft falschen Diagnose/Therapie sowie unter starker Stigmatisierung im gesellschaftlichen Umfeld. Das Verständnis für die Schwere der Krankheit fehlt aus Unwissen. Verbände und Selbsthilfegruppen wie die bundesweite Initiative #LiegendDemo setzen sich für die zunehmende Zahl der Betroffenen ein.
Laut einer Studie der Aalborg Universität aus dem Jahr 2015 ist die Lebensqualität von ME/CFS- Erkrankten im Durchschnitt niedriger als die von Multiple Sklerose-, Schlaganfall- oder Lungenkrebspatienten. Ein Viertel von ihnen kann das Haus nicht mehr verlassen, viele sind bettlägerig und auf Pflege angewiesen. Schätzungsweise über 60 Prozent sind arbeitsunfähig. Teil 3 unserer Serie geht auf mögliche Therapien und Hilfen ein.
City Assistenzdienst
Friedrichstraße 30
41460 Neuss
Tel: +49 2131 7426713
Mobil: +49 157 38373312
Öffnungszeiten
Mo – Fr: 08:00 – 17:00



city-assistenzdienst.de